INTERESSENGEMEINSCHAFT ISMANINGER MOOS

INTERESSENGEMEINSCHAFT ISMANINGER MOOS

Solarpark Ismaning – Jetzt ist es offiziell

18. Feb. 2026 | Allgemein, Photovoltaik

Solarpark Ismaning – jetzt ist es offiziell

Auf der Website der Stadtwerke München wird die geplante Photovoltaikanlage im Ismaninger Moos inzwischen offiziell beworben.

https://www.swm.de/unternehmen/solarenergie/solarpark-ismaning

Der gewählte Titel Solarpark Ismaning suggeriert Erholung und Grünraum. „Solarpark Ismaning“ – das klingt wie Schlosspark Ismaning oder Sportpark Ismaning. Der Titel beschönigt diese unglaubliche Naturveränderung im Ismaninger Moos. Tatsächlich handelt es sich um ein großflächiges Industrieprojekt mit erheblichen und langfristigen Eingriffen in Natur, Landschaft und Nutzung.

Das komplette Projekt wird in der Öffentlichkeit schöngeredet. Durch geschickte Wortwahl versucht die Gemeinde und die SWM den Ismaninger Bürgern die Sache als vorteilhaft zu verkaufen. In Wahrheit wird im Ismaninger Moos eine große freie Naturfläche vernichtet und der Natur entnommen. Die vorhandene Fauna und Flora wird großflächig zerstört und das für einen sehr langen Zeitraum von mindestens 30 Jahren.

1. Fläche und Eingriff ist größer als dargestellt

In der öffentlichen Darstellung der SWM ist von 43 Hektar die Rede. Nach aktuellem Stand umfasst das Projekt mittlerweile jedoch rund 49,5 Hektar hochwertiger, naturnaher Moor- und Moosflächen.
Diese Flächen sollen ab 2028 für mindestens 30 Jahre einer industriellen Nutzung zugeführt werden. Es handelt sich dabei um Böden von außergewöhnlicher Qualität – teils Almböden mit bis zu 6 Metern Tiefe. Solche Böden sind in Ismaning nicht ersetzbar und gelten fachlich als Ausschlusskriterium für Freiflächen-Photovoltaik.

2. Naturschutz versus Realität

Die SWM sprechen von einem Projekt, das „Rücksicht auf Natur, Landschaft und Erholung“ nehme.
Faktisch bedeutet die Umsetzung:

  • Einzäunung aller fünf bislang frei zugänglichen Flächen aus versicherungstechnischen Gründen
  • Ausschluss von Mensch und Tier für mindestens drei Jahrzehnte
  • Massive Veränderung von Wasserhaushalt, Bodenklima und Artenzusammensetzung

Ob ein vollständiger Rückbau nach 30 Jahren erfolgt, ist offen. Erfahrungsgemäß bleiben einmal umgewidmete Flächen dauerhaft in industrieller Nutzung. Das ist unsere klare Einschätzung.
Und wer weiss, welche Kosten in 30 Jahren auf unsere Gemeinde für den Rückbau zukommen und ob die tatsächlichen Kosten dann durch die vertraglich vereinbarte Regelung wirklich gedeckt sind.

Die Gemeinde Finsing als unmittelbare Nachbargemeinde hat eine ähnliche Anfrage der SWM zur Errichtung einer Großflächen-PV Anlage auf Finsinger Grund, bereits im Jahre 2022 abgelehnt, siehe Artikel im Münchner Merkur. Die dortigen direkt neben der Ismaninger Anlage liegenden Flächen wurden vom Finsinger Gemeinderat als zu hochwertig eingestuft. In Ismaning sind es laut Beschluss nur minderwertige Flächen.

3. Auswirkungen der Module auf Klima, Boden und Tierwelt

Fast 500.000 m² Naturfläche werden mit schwarzen, stark reflektierenden PV Modulen überstellt und eingezäunt, Diese Anlagen nehmen damit den Wildtieren wie z.B. Hirsche, Rehe, Kibitz und Rebhuhn dringend benötigten Lebensraum weg, da sie nicht mehr wechseln können. Die jetzt noch sehr artenreiche Insekten und Amphibienwelt im Ismaninger Moos wird sich verändern und reduzieren, da Wasserhaushalt, Temperatur- und Lichtverhältnisse sich dramatisch verändern werden.

  • Wie viele PV-Module werden insgesamt verbaut?
  • Modultemperaturen von bis zu 80 °C im Sommer
  • Brut- und Rückzugsräume für Vögel und Kleintiere werden unbrauchbar
  • Ungleichmäßige Niederschlagsverteilung durch Tropfkanten
  • Austrocknung unter den Modulen, Übernässung an den Kanten.
  • Zahlreiche Amphibien verlieren ihre Lebensgrundlage
  • Dauerhafte Veränderung von Flora und Fauna

Die vorgesehenen Bodenabstände unter den notwendigen Zäunen, verwachsen innerhalb kurzer Zeit. Ohne regelmäßiges Freischneiden – dessen Turnus offen ist – sind sie für Tiere unpassierbar. Natürlich wird auch unter den Modulen eine gewisse Tier und Pflanzenwelt entstehen, aber dies als Verbesserung der Biodiversität zu sehen, wie es z.B. von den Ismaninger Grünen bezeichnet wird, sehe ich als Falschaussage. wer jetzt ins Ismaninger Moos fährt, erlebt eine extrem artenreiche Tier und Pflanzenwelt im Ismaninger Moos.
Anders ist es z.B. auf den Garchinger Flächen direkt neben der Autobahn. Dort herrschen artenarme, trockene und kiesige Böden mit geringer Vielfalt an Fauna und Flora vor. In Ismaning sind es beste Böden

 

4. Entscheidungsgrundlagen im Gemeinderat

Manche Gemeinderäte waren nach eigenen Aussagen selber noch nicht vor Ort und kannten die konkreten Flächen nicht.
Eine verantwortungsvolle Entscheidung setzt jedoch Ortskenntnis und Faktenprüfung voraus – nicht abstrakte Planungsunterlagen, die von der Gemeindeverwaltung gestellt werden.

Besonders auffällig ist die Tatsache, dass alle 24 Gemeinderäte und Gemeinderätinnen einstimmig für das Projekt gestimmt haben. Bei einem Projekt dieser Tragweite und Dimension ist es eigenartig, dass es bei der Abstimmung keine einzige Gegenstimme und keine offene Diskussion gab.

5. Leistungsversprechen und Realität

Die kommunizierte Leistung von 51 MWp ist ein theoretischer Maximalwert unter Idealbedingungen.
In der Praxis reduzieren zahlreiche Faktoren die tatsächliche Einspeisung erheblich:

  • Dunkelheit = 0 Leistung
  • Winterlicher niedriger Sonnenstand
  • Bewölkung, Regen, Schnee
  • Hohe Temperaturen mit Leistungsverlust
  • Verschattung
  • Verschmutzung durch Staub und Laub
  • Alterung der Module
  • Alterung der Batteriespeicher.

Realistisch sind im Jahresmittel 20–30 % der Nennleistung. Dafür sollen diese hochwertigen Flächen geopfert werden.

6. Stromversorgung Ismaning – offene Fragen

Es wird argumentiert, der Solarpark versorge Ismaning vollständig mit Strom.
Dazu fehlen belastbare Grundlagen:

  • Wie hoch ist der tatsächliche Stromverbrauch aller Haushalten und Gewerbe in Ismaning?
  • Gibt es verbindliche Lieferzusagen an die Gemeinde?
  • Wird der Strom vollständig in München vermarktet?
  • Die gesamte Photovoltaikanlage wird von den SWM finanziert, geplant, gebaut und betrieben – nicht von der Gemeinde Ismaning.

Unklar bleibt:

  • Zu welchem Preis würde Ismaning Strom erhalten?
  • Gibt es einen separaten Zähler für die PV Anlage und Zugriff auf die Erzeugungsdaten?
  • Was bedeutet der Begriff „EnergieCent“, den Ismaning angeblich bekommt. Auf was bezieht sich dieser EnergieCent und wie viele EnergieCents werden fließen?
  • Wie viele kWh werden pro Jahr erzeugt. Es gibt bisher keinerlei Aussagen zu dem erwarteten Ertrag.
  • Welche Menge an kWh werden pro Jahr prognostiziert?
  • Welche Summen werden damit pro Jahr erwirtschaftet?

7. Wirtschaftliche Interessen

Die zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen werden regelmäßig als Vorteil genannt.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass diese Einnahmeerwartung ein zentraler Treiber der Genehmigung ist – zulasten von Natur, Landwirtschaft und Landschaft. Gibt es dazu konkrete Zahlen?

8. Landwirtschaftliche Nutzung und Bodenqualität

Die Behauptungen, im Moos „wachse eh nichts“ und dort hinten sind nur saure Wiesen und schlechte Böden, sind fachlich falsch. Laut Aussage eines Fraktionssprechers wird angeblich auch kein guter Ackerboden genutzt. Das stimmt leider nicht.

  • Der Boden und das Wasser haben einen neutralen pH-Wert
  • Die Böden haben eine sehr hohe Bodenqualität, teilweise sind es beste tiefgründige Almböden.
  • Nutzungseinschränkungen resultieren aus Vorgaben der Verpächter BR und Karlshof (Grünlandpflicht).

Auf benachbarten, frei bewirtschafteten Flächen werden z.B. erfolgreich Kartoffeln, Getreide, Raps und Mais angebaut.

Unserer Interessengemeinschaft Ismaninger Moos wurde sogar unterstellt, wir hätten vor der Fahrradtour ins Moos im Oktober 2025 extra Almboden nach hinten ins Moos gefahren und dort vergraben, um den Teilnehmern das Vorhandensein von Almboden vorzugaukeln. Wie verzweifelt muss man sein, wenn man solche Lügen verbreitet.

9. Ungleichbehandlung und offene Fragen

Warum erhielt ein einzelner Ismaninger Landwirt die Genehmigung, 4,5 Hektar besten Almbodens ebenfalls für 30 Jahre an die SWM zu verpachten – mit mehrfachen Pachteinnahmen, als bisher?
Warum wurde in unmittelbarer Nähe zu diesem Areal kurz zuvor noch ein Feldkreuz öffentlichkeitswirksam erneuert und geweiht?
Diese zeitlichen und räumlichen Zusammenhänge werfen Fragen auf.

Durch diese zusätzlich genehmigte Fläche Nr 5, westlich des eingezäunten BR Geländes entsteht ein nur noch sehr schmaler enger Korridor. Links und rechts des vorhandenen Weges werden dann Zäune eine freie Wanderung verhindern.

Ein Gemeinderat meinte während einer Gemeinderatssitzung nach diesem Sitzungspunkt, dass jetzt kein weiterer Landwirt noch eine Genehmigung zur Umwidmung erhalten wird. Es würde jetzt reichen.

Unserer Meinung öffnet diese Genehmigung jedoch die Büchse der Pandora, da jetzt jeder Landwirt auf eine Nutzungsänderung klagen kann.

10. Eingezäunte Flächen rund um den BR-Sender

Große Areale rund um den BR-Sender sind seit Jahrzehnten eingezäunt, obwohl dort heute nur noch ein einziger Großmast betrieben wird.
Eine deutlich kleinere Schutzzone wäre ausreichend – die übrigen Flächen könnten wieder geöffnet werden.  Alternativ könnte die geplante PV Anlage auch innerhalb des bereits eingezäunten Geländes errichtet werden. Das hätte.deutlich geringere Auswirkungen auf das Ismaninger Moos.


Fazit

Der „Solarpark Ismaning“ ist kein Park, sondern ein Industrieprojekt mit massiven, langfristigen Folgen. Klimaschutz ist notwendig – aber nicht um den Preis der Zerstörung hochwertigster Natur- und Kulturlandschaft, ohne Transparenz, ohne belastbare Zahlen und ohne echte lokale Wertschöpfung. Große Teile des Ismaninger Mooses werden durch. die erforderliche Einzäunung für Jahrzehnte der öffentlichen Nutzung entzogen. Das ist nicht im Interesse der Ismaninger Bürgerschaft.

Wir fordern die Planung zu überdenken und alternative Standorte in Erwägung zu ziehen.